Brasiliens umstrittene Öl-Auktion im Amazonas löst weltweite Empörung aus
Abdul FechnerBrasiliens umstrittene Öl-Auktion im Amazonas löst weltweite Empörung aus
Brasiliens Nationale Agentur für Erdöl, Erdgas und Biokraftstoffe veranstaltete am 17. Juni 2025 eine große Versteigerung fossiler Brennstoffe. Dabei wurden 172 Öl- und Gasblöcke angeboten, darunter 68 im brasilianischen Amazonasgebiet. Umwelt- und Indigenenorganisationen üben scharfe Kritik an dem Vorhaben.
Die Auktion fand trotz rechtlicher und verfahrensrechtlicher Bedenken statt. Die Bundesstaatsanwaltschaft Brasiliens hatte einen Eilantrag auf Aussetzung eingereicht und auf Mängel sowie unzureichende Folgenabschätzungen hingewiesen. Vor der Vergabe der Blöcke wurde keine Umweltverträglichkeitsprüfung der Sedimentgebiete durchgeführt.
Von den 47 Blöcken an der Mündung des Amazonas wurden 19 erfolgreich versteigert, die zusammen 16.312 km² Meeresgebiet umfassen. Große Unternehmen wie Chevron, CNPC, ExxonMobil und Petrobras sicherten sich in der Ausschreibung Zuschläge. Das Verfahren erfolgte ohne die freie, vorherige und informierte Zustimmung der indigenen und traditionellen Gemeinschaften – ein Verstoß gegen das Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).
Jonas Mura, Häuptling des Mura-Volkes, verurteilte die Auktion und warnte vor Zerstörung, Verschmutzung, Armut und Krankheiten für den Amazonas. Gisela Hurtado von Stand.earth nannte sie die „Auktion des Todes“ und argumentierte, sie bedrohe indigene Territorien und stehe im Widerspruch zum Pariser Klimaabkommen. Kritiker wiesen zudem darauf hin, dass sie Brasiliens Rolle als Gastgeber der UN-Klimakonferenz COP30 und seine Klimazusagen untergräbt.
Die Versteigerung hat unter Umweltaktivisten breiten Widerstand ausgelöst. Sie werfen Brasilien vor, eine Chance zur Energiewende zu verpassen – trotz seines großen Potenzials in Wind-, Solar- und Wasserkraft. Der Verkauf der Blöcke wirft nun Fragen zu den ökologischen und sozialen Verpflichtungen des Landes auf.
