19 April 2026, 02:35

Evonik-Chef fordert radikale Reform des EU-Emissionshandels – oder dessen Abschaffung

Plakat mit Text und Logo, auf dem steht: "Wir reduzieren die Treibhausgasemissionen bis 2030 um etwa eine Gigatonne."

Evonik-Chef fordert Abschaffung des Emissionshandels - Evonik-Chef fordert radikale Reform des EU-Emissionshandels – oder dessen Abschaffung

Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzender von Evonik, hat gefordert, das Emissionshandelssystem (ETS) der Europäischen Union abzuschaffen oder grundlegend zu reformieren. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung argumentierte er, die aktuellen CO₂-Preisregeln schadeten mittlerweile der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie. Seine Kritik kommt zu einer Zeit, in der Evonik unter seiner Führung weiterhin zu den weltweiten Vorreitern bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen zählt.

Kullmann behauptete, das ETS – ursprünglich konzipiert, um Emissionszertifikate zu begrenzen und zu handeln – funktioniere unter den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen nicht mehr. Er warnte, europäische Industrien stünden im Wettbewerb mit staatlich geförderten Konkurrenten, die deutlich geringere Energie- und Rohstoffkosten hätten. Das System, so Kullmann, setze Europa auf den globalen Märkten ins Hintertreffen.

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Zudem lehnte er den geplanten CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) der EU als unwirksam ab. Als "bürokratischen Trick" bezeichnet, stellte er infrage, ob Europa das Instrument überhaupt wirksam durchsetzen könne. Seine Äußerungen spiegeln wachsende Bedenken in der Industrie wider, dass Klimapolitik und wirtschaftliche Überlebensfähigkeit in ein Ungleichgewicht geraten seien.

Trotz seiner Kritik bleibt Evonik unter Kullmanns Führung Vorreiter bei der Emissionsreduzierung. Die Anstrengungen des Konzerns stehen damit im Kontrast zu seinen Forderungen nach einem radikalen Umdenken der EU in der CO₂-Bepreisung.

Kullmanns Forderungen unterstreichen die Spannungen zwischen Klimazielen und industrieller Wettbewerbsfähigkeit. Bleibt das ETS unverändert, drohe europäischen Herstellern seiner Ansicht nach ein schwieriger Kampf gegen kostengünstigere ausländische Konkurrenten. Die Debatte über eine Reform des Systems wird voraussichtlich an Fahrt aufnehmen, da Unternehmen zunehmend Politiken fordern, die wirtschaftliche und ökologische Prioritäten in Einklang bringen.

Quelle