Humboldt Forum: Zwischen kolonialer Kritik und kultureller Strahlkraft
Rotraut DöringHumboldt Forum: Zwischen kolonialer Kritik und kultureller Strahlkraft
Das Humboldt Forum hat sich zu einem bedeutenden kulturellen Ort in Berlin entwickelt und beherbergt das Ethnologische Museum sowie das Museum für Asiatische Kunst. Sein Bau löste heftige Debatten über geraubte Kunst, Restitution und koloniale Gewalt aus. Das Projekt wurde maßgeblich von vermögenden rechtspopulistischen Spendern finanziert, die damit preußische Pracht in der Stadt wiederbeleben wollten.
Von Anfang an stand das Humboldt Forum wegen seines Designs in der Kritik. Viele werfen dem Bau vor, eher wie ein Palast als wie ein öffentlicher Raum zu wirken – abgehoben von der umgebenden Stadt. Die als unzugänglich empfundene Architektur ist ein immer wiederkehrender Streitpunkt.
Trotzdem hat das Forum vielfältige Veranstaltungen ausgerichtet, darunter das mexikanische Día de los Muertos-Fest und Diskussionsrunden zu globalen Themen. Besonders hervorzuheben ist Sarah Ama Duahs Performance „to build to bury to remember“, die Objekte als autonome Körper inszenierte und damit die koloniale Perspektive herausforderte.
Das Publikum bleibt jedoch stark touristen geprägt, obwohl das Programm eine breitere Ansprache anstrebt. Jährlich zieht das Forum rund 634.000 Ausstellungsbesucher an – eine eher bescheidene Zahl im Vergleich zu den 13 Millionen des Louvre.
Die Kritik an Architektur und kultureller Rolle hält an. Dennoch zieht das Humboldt Forum weiterhin Besucher mit seinem einzigartigen Angebot an. Auch die Autorin gehört zu denen, die wegen der besonderen Veranstaltungen immer wieder kommen.
