NRW plant verpflichtende ABC-Kurse – doch die Kritik wächst laut
Mirja VollbrechtNRW plant verpflichtende ABC-Kurse – doch die Kritik wächst laut
Ein neuer Plan zur Einführung von "ABC-Kursen" in Nordrhein-Westfalen (NRW) hat unter lokalen Politikern und Pädagogen eine Debatte ausgelöst. Der Landtag erhielt den Gesetzentwurf am 13. März 2026; die verpflichtende Teilnahme soll für Kinder ab dem Schulstart im August 2029 gelten. Zwar zielt das Vorhaben darauf ab, die sprachlichen Fähigkeiten im Vorschulalter zu stärken, doch Kritiker befürchten, dass der Ansatz mehr Probleme schafft als löst.
Die ABC-Kurse sollen gezielte Sprachförderung für junge Kinder vor der Einschulung bieten. Finanziert wird das Programm vom Land, die Kurse finden in Schulen oder Kindergärten statt. Bisher hat jedoch kein anderes Bundesland ein ähnliches Modell eingeführt, auch wenn das Saarland ab April 2026 eine Testphase plant.
In Solingen unterstützen CDU und Grüne zwar das Ziel, die Sprachkompetenz der Kinder zu verbessern, lehnen den aktuellen Entwurf jedoch ab. Jessica Schliewe von den Grünen warnte, dass die Herausnahme der Kinder aus ihrem gewohnten Kita-Alltag für separate Unterrichtseinheiten etablierte Lernroutinen stören könnte. Simone Lammert (CDU) kritisierte ein strukturelles Problem: Die ABC-Kurse könnten ein paralleles System schaffen, statt die bestehende Förderung zu stärken.
Maja Wehrmann, ebenfalls von den Grünen, äußerte Bedenken hinsichtlich möglicher Stigmatisierung. Sie argumentierte, dass separate Programme die Inklusionsbemühungen untergraben könnten. Lokale Akteure, darunter das Kommunale Integrationszentrum, zeigten sich zudem verunsichert, wie das neue Modell in die bestehenden Strukturen passt – was die Planung für die Städte erschwert.
Beide Parteien plädieren stattdessen für eine Stärkung der bestehenden Kitas und die Integration von Sprachförderung in den Tagesablauf. Sie fordern eine bessere Abstimmung zwischen Land und Kommunen, bevor der ABC-Kurs-Plan umgesetzt wird.
Die Initiative bleibt umstritten: Kritiker setzen sich für einen integrierteren Ansatz in der Sprachförderung ein. Ob die verpflichtende Einführung ab 2029 gelingt, hängt davon ab, ob Bedenken zu Inklusion, Koordination und der Gefahr von Doppelförderung ausgeräumt werden. Bis dahin fordern lokale Verantwortliche Nachbesserungen, um sicherzustellen, dass das Programm zu den bestehenden Unterstützungsstrukturen passt.






