17 March 2026, 00:38

Thalia Theater Hamburg inszeniert ein spektakuläres Gerichtsverfahren gegen Deutschland

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Thalia Theater Hamburg inszeniert ein spektakuläres Gerichtsverfahren gegen Deutschland

Hamburgs Thalia Theater beendet die diesjährigen Lessing-Tage mit einer kühnen und umstrittenen Inszenierung. Der Schweizer Regisseur Milo Rau führt ein dreitägiges Gerichtsverfahren gegen Deutschland auf, das das Theater in einen symbolischen Gerichtssaal verwandelt. Die Aufführung wird die Frage aufwerfen, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte – und wird live im Internet übertragen.

Die Lessing-Tage, 2010 unter dem damaligen Intendanten Joachim Lux ins Leben gerufen, stehen in diesem Jahr unter der künstlerischen Leitung von Matthias Lilienthal, der bald die Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird. Raus Produktion bildet einen spektakulären Abschluss und führt seinen markanten Stil fort, der Theater mit realen politischen Debatten verbindet.

Raus frühere Arbeiten wie Hate Radio (2011) oder Moskau rekonstruierten Konflikte wie den Völkermord in Ruanda oder die Geiselnahme in Moskau. Diese Projekte setzten oft auf Laiendarsteller, dokumentarische Elemente und Kooperationen mit renommierten Häusern wie dem NTGent, der Schaubühne Berlin oder dem Festival von Avignon. Beim Gerichtsverfahren gegen Deutschland wird die Bühne zum Gerichtssaal: Juristen und Rechtsexperten leiten die Verhandlung.

Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin übernimmt die Rolle der Richterin. In dem fiktiven Prozess werden Argumente für und gegen ein AfD-Verbot erörtert – die gesamte Veranstaltung wird als Livestream auf der Website des Theaters zu sehen sein.

Mit dem Gerichtsverfahren gegen Deutschland bringt Rau seinen politisch aufgeladenen Ansatz ans Thalia Theater Hamburg. Durch den Einsatz von Juristen statt Schauspielern verschwimmt die Grenze zwischen Inszenierung und echter Debatte. Das Publikum kann die Verhandlung online verfolgen, während das Festival mit einer provokanten Auseinandersetzung über Demokratie und Extremismus endet.

AKTUALISIERUNG

Jury Verurteilt AfD in Theatralem Prozess

Das dreitägige Verfahren endete am 15. Februar 2026 mit einer geteilten Jury-Entscheidung. Das siebenköpfige Gremium befand die AfD in Bezug auf die Menschenwürde für verfassungswidrig (5-2). Letztendlich entschied es sich gegen ein Verbot (2 Ja, 2 Enthaltungen, 3 Nein), aber votierte für den Ausschluss der Partei aus der staatlichen Finanzierung. Dieses Ergebnis markiert die formelle Beilegung des symbolischen Rechtsprozesses, der im Thalia Theater in Hamburg stattfand.