Warum das Vertrauen in die Demokratie bei immer mehr Menschen schwindet
Abdul FechnerWarum das Vertrauen in die Demokratie bei immer mehr Menschen schwindet
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum das Vertrauen in die Demokratie bei bestimmten Gruppen schwindet. In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie sich Menschen von staatlichen Institutionen, Gerichten, der Wissenschaft und den Medien abwenden – und stattdessen Parteien vertrauen, die die liberale Demokratie selbst ablehnen.
El-Mafaalani erforscht, wie sich Misstrauen verbreitet und verfestigt. Wer das Vertrauen in etablierte Systeme verliert, schließt sich oft mit Gleichgesinnten zusammen, die ähnliche Zweifel hegen. Diese "Gemeinschaften des Misstrauens" unterstützen dann politische Bewegungen, die sich durch Demokratiefeindlichkeit auszeichnen.
Digitale Plattformen haben es misstrauischen Menschen erleichtert, sich zu vernetzen und zu organisieren. Früher isoliert, bilden sie heute Netzwerke, die ihre Überzeugungen verstärken. Dieser Wandel trägt zum Aufstieg von Figuren wie Donald Trump oder der deutschen "Alternative für Deutschland" (AfD) bei.
Die AfD startete 2013 als Ein-Themen-Partei gegen den Euro. Nach einem fast erfolgreichen Einzug in den Bundestag 2013 mit 4,7 Prozent der Stimmen gelang ihr 2014 bei der Europawahl mit sieben Prozent der Durchbruch. Die Flüchtlingskrise 2015 trieb die Partei weiter nach rechts, führte zu internen Spaltungen – und steigerte gleichzeitig ihre Popularität. 2017 zog sie in den Bundestag ein, und 2025, mit Alice Weidel als Kanzlerkandidatin, verdoppelte sie ihr Ergebnis von 2021.
El-Mafaalani warnt: Selbst wenn Parteien wie die AfD an die Macht kommen und ihre Versprechen scheitern, wird das Vertrauen in die Demokratie nicht automatisch zurückkehren. Wähler in diesen "Gemeinschaften des Misstrauens" werden nicht plötzlich wieder an die Demokratie glauben – selbst wenn sich ihre Hoffnungen als trügerisch erweisen. Seine Analyse zeigt, dass herkömmliche Strategien – etwa die Widerlegung von Falschinformationen – allein nicht ausreichen, um den Trend umzukehren.
Peter Unfried, Chefredakteur des Magazins FUTURZWEI, stellt die Frage, wie sich diese wachsende Spaltung überwinden lässt. El-Mafaalanis Arbeit deutet auf neue Ansätze hin, doch der Weg bleibt ungewiss.
Das Buch bietet eine genauere Betrachtung der Gründe, warum der Rechtspopulismus weiter wächst. Es zeigt, wie sich Misstrauen selbst verstärkt und wie digitale Werkzeuge diesen Prozess beschleunigen. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen könnte der Vertrauensverlust in die Demokratie noch weiter voranschreiten.






