10 May 2026, 12:28

Warum junge Männer in Deutschland nach rechts rücken – und wie die Grünen gegensteuern

Eine Sammlung von illustrierten Porträts verschiedener Männer aus unterschiedlichen Epochen, betitelt mit "Unsere Künstler - Vergangenheit und Gegenwart", in einem alten Buch präsentiert.

Warum junge Männer in Deutschland nach rechts rücken – und wie die Grünen gegensteuern

Junge Männer in Deutschland wenden sich zunehmend der rechten Politik zu – ihre Altersgenossinnen bevorzugen dagegen linksliberale Parteien. Diese Spaltung hat eine Debatte darüber ausgelöst, wie Männer besser für progressive Ideen gewonnen werden können. Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, setzt sich nun für einen neuen Ansatz ein – einen, der Feminismus als Bewegung für alle begreift.

Die Verschiebung der Wahlpräferenzen zeigte sich deutlich bei der letzten Bundestagswahl: Männer unter 24 Jahren stimmten mehrheitlich für die rechtspopulistische AfD, während Frauen desselben Alters sich für linksliberale Parteien entschieden. Dieser Trend wirft Fragen nach der wachsenden Anziehungskraft rechtsextremer Narrative unter jungen Männern auf.

Banaszak hat es sich zur Aufgabe gemacht, traditionelle Rollenbilder infrage zu stellen. Er argumentiert, dass starre Erwartungen sowohl Männer als auch Frauen schaden. Sein eigenes Büro, in einem auffälligen Pink gestrichen, symbolisiert seine Ablehnung veralteter Klischees. In einem aktuellen Playboy-Interview wandte er sich erstmals prominent an junge Männer und betonte, Feminismus gehe nicht um Machtentzug, sondern um mehr Gerechtigkeit für alle.

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Es ist nicht das erste Mal, dass die Grünen gezielt Männer ansprechen. Schon 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker – darunter Sven Lehmann – ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.“ Lehmann gibt heute zu, dass zwar Fortschritte erzielt wurden, viele Männer Veränderung aber weiterhin ablehnen. Er warnt, dass diejenigen, die an traditionellen Rollen festhalten, besonders anfällig für die Kulturkämpfe der Rechten seien.

Doch auch Banaszaks Strategie steht in der Kritik. Kürzlich räumte er ein, sein Ansatz müsse möglicherweise überarbeitet werden, da sich manche Männer durch das Verhalten anderer ausgegrenzt oder sogar beschämt fühlten. Bei einem Treffen mit dem Bundesfrauenrat diskutierte er seine „Männerpolitik“ und erhielt Vorschläge für mehr Räume, in denen Jungen und Männer offen über ihre Erfahrungen sprechen können.

Unterdessen nutzt die AfD diese Spannungen gezielt aus. In einem Video vor der Europawahl 2024 rief der AfD-Politiker Maximilian Krah junge Männer, die Schwierigkeiten haben, Partnerinnen zu finden, dazu auf, sich „richtig zu positionieren“. Seine Äußerungen unterstreichen den Versuch der Partei, enttäuschte männliche Wähler mit simplen Lösungen zu ködern.

Banaszaks Kampagne ist ein direkter Versuch, dem rechtsextremen Einfluss durch eine Neudefinition von Männlichkeit entgegenzuwirken. Seine Botschaft – dass Feminismus auch Männern nütze – zielt darauf ab, die Einstellungen junger Wähler zu ändern. Ob die Strategie Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Doch sie zeigt, dass politische Arbeit zunehmend erkennen muss: Engagement muss die Anliegen aller Geschlechter berücksichtigen.

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