Kampf um das "Sünderwäldchen": Warum ein kleines Waldstück NRW spaltet
Mirja VollbrechtWas Sie über die Rückeroberung des 'Sündlichen Waldes' wissen müssen - Kampf um das "Sünderwäldchen": Warum ein kleines Waldstück NRW spaltet
Ein neuer Streit ist um das Schicksal des "Sünderwäldchens" entbrannt, eines kleinen Waldstücks östlich des Hambacher Forstes in Nordrhein-Westfalen. Das Gebiet, dessen Rodung ab Oktober vorgesehen ist, steht im Mittelpunkt einer Konfrontation zwischen dem Energiekonzern RWE, lokalen Behörden und Umweltschützern. Nach einem Betretungsverbot der Stadt Kerpen hat die Polizei die Fläche abgeriegelt – eine Szene, die an die früheren Auseinandersetzungen um den benachbarten Hambacher Forst erinnert.
Im Zentrum des Konflikts stehen Pläne, das "Sünderwäldchen" – ein Name, der auf lokale Legenden über heimliche Jugendtreffen zurückgeht – abholzen zu lassen. Anders als der Hambacher Forst steht dieses Waldstück nicht unter dem Schutz des "Braunkohlekompromisses" von 2020, der größere Wälder vor dem Ausbau des Tagebaus bewahrte. RWE betont, die Rodung sei notwendig, um Kies abzubauen, der später zur Stabilisierung der Ufer eines künftigen Sees benötigt wird, sobald der Braunkohleabbau bis 2030 endet.
Kritiker, darunter der Umweltverband BUND NRW, argumentieren, der Wald sei ein funktionsfähiges Ökosystem mit symbolischer Bedeutung. Sie verweisen auf alternative Kiesvorkommen und stellen infrage, ob das Material möglicherweise sogar für eine Yachthafen-Anlage verwendet werden solle. RWE entgegnet, alle erforderlichen Genehmigungen und Artenschutzprüfungen – einschließlich der Überprüfung auf Bechsteinfledermäuse – lägen vor. Im Januar bestätigte das Oberverwaltungsgericht Münster die Rodung und sah keine Verstöße gegen Naturschutzrecht.
Am 1. Oktober begannen wie geplant die Fällarbeiten. Zwei Tage später verhängte die Stadt Kerpen ein generelles Betretungsverbot für das Gebiet, was einen Großeinsatz der Polizei auslöste. Die Situation weckt Erinnerungen an die Proteste im Hambacher Forst, wo Aktivisten mit Baumhausbesetzungen den Tagebau blockierten.
Dem "Sünderwäldchen" droht nun die unmittelbare Zerstörung, nachdem rechtliche und verwaltungstechnische Hürden ausgeräumt wurden. Umweltgruppen lehnen die Rodung weiterhin ab, doch RWE setzt seine Pläne unter Polizeischutz um. Der Streit verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen industriellen Projekten und dem Erhalt von Ökosystemen in Deutschlands Bergbauregionen.






