Massenproteste in NRW fordern mehr Schutz vor sexualisierter und digitaler Gewalt
Mirja VollbrechtMassenproteste in NRW fordern mehr Schutz vor sexualisierter und digitaler Gewalt
Proteste gegen sexualisierte und digitale Gewalt erschüttern Nordrhein-Westfalen
Am vergangenen Wochenende haben in Nordrhein-Westfalen massenhafte Proteste gegen sexualisierte und digitale Gewalt stattgefunden. Allein am Samstag demonstrierten über 5.000 Menschen in Köln, gefolgt von Hunderten, die sich am Sonntag in der Bonner Innenstadt versammelten. Die Kundgebungen sind Ausdruck wachsender öffentlicher Empörung nach einem Spiegel-Bericht über Vorwürfe digitaler Misshandlung durch die Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen.
In Bonn zogen mehr als 500 Menschen auf den Marktplatz vor das alte Rathaus. Die von einem parteiübergreifenden Bündnis – bestehend aus Grünen, CDU, SPD und Volt – organisierte Veranstaltung forderte in Reden, dass Männer mehr Verantwortung im Kampf gegen Frauenfeindlichkeit übernehmen. Ein Plakat mit der Aufschrift "Girls just wanna be safe" – eine Anspielung auf den 1980er-Hit von Cindy Lauper – spiegelte die Frustration über anhaltende Bedrohungen der Sicherheit von Frauen wider.
Kritik richtete sich auch gegen die politische Führung. Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in NRW, warf Bundeskanzler Friedrich Merz vor, sich nicht ausreichend für strengere Schutzmaßnahmen einzusetzen. Gleichzeitig forderten CDU-Politikerinnen aus der Frauen-Union der Partei schärfere rechtliche Absicherungen – ihre Appelle stießen beim Publikum jedoch auf verhaltene Resonanz.
Die Proteste sind der vorläufige Höhepunkt einer monatelangen Debatte. Seit dem Spiegel-Bericht über den Fall Fernandes wächst der Druck auf gesetzliche Reformen. Kanzler Merz hatte kürzlich von einer "explodierenden Gewalt" in physischen wie digitalen Räumen gesprochen und diese teilweise mit Migration in Verbindung gebracht. Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) treibt nun Maßnahmen voran, darunter elektronische Fußfesseln für gewalttätige Ex-Partner, die Strafbarkeit nicht einvernehmlicher Nacktaufnahmen und KI-generierter Deepfakes sowie ein Verbot von Spionagesoftware. Ein vom Kabinett gebilligter Entwurf sieht zudem vor, Provider zur Herausgabe der IP-Adressen von Tätern zu verpflichten – die endgültige Entscheidung liegt jedoch beim Bundestag.
Die Demonstrationen in Köln und Bonn unterstreichen die wachsenden Forderungen nach konsequentem Handeln gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Gesetzesvorhaben liegen nun auf dem Tisch, darunter Reformen zu digitaler Belästigung und Stalking, die demnächst im Parlament beraten werden. Aktivistinnen bestehen darauf, dass es sowohl strengere Gesetze als auch einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit der Sicherheit von Frauen braucht.






