Rébecca Chaillons provokantes Theaterstück feiert rauschende Premiere in Wien
Rotraut DöringRébecca Chaillons provokantes Theaterstück feiert rauschende Premiere in Wien
Rébecca Chaillon hat mit Die Parabel der Säure bei den Wiener Festwochen im Odeon Premiere gefeiert. Die fast dreistündige Aufführung verbindet ungewöhnliche, berührende und mitunter zähe Elemente. Beworben wird das Stück als ein rebellisches Science-Fiction-Werk, das sich mit Glauben, Konsumgesellschaft und Körperbildern auseinandersetzt.
Der Titel der Produktion, La Parabole du Seum, spielt mit Worten und spiegelt ihren scharfen, ätzenden Ton wider. Inspiriert ist das Werk von Octavia Butlers Roman Parabel vom Sämann, der die Macht des Glaubens und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft erkundet.
Im Zentrum der Inszenierung steht die Waage als zentrales Symbol. Sie thematisiert die Demütigung und Absurdität von Abnehm-Shows und gibt gleichzeitig den Erfahrungen dicker Menschen eine Stimme. Ihr Leben und ihre Körper rücken in den Mittelpunkt der Erzählung.
Die Performerin Julie Teuf bindet das Publikum direkt ein, indem sie Butter zum Kosten verteilt und es zu einer Verlosung einlädt. Die Besetzung zeigt sich durchgehend mutig und ausgelassen – gegen Ende posieren die Darsteller:innen sogar in Bodybuilder-Haltungen. Chaillon, die als Regisseurin und Performerin fungiert, ist eine prägende Figur der französischen Kulturszene und bekannt dafür, Themen wie Diskriminierung und Identität aufzugreifen.
Die Vorstellung konfrontiert das Publikum mit einer Mischung aus grotesken und tiefgründigen Momenten. Sie hinterlässt einen schonungslosen Blick auf gesellschaftliche Einstellungen zu Gewicht und Glauben. Mit dieser Produktion setzt Chaillon erneut ein kühnes Statement im zeitgenössischen Theater.






