Rheinische Braunkohle-Tagebaue werden zu Seen – doch die Risiken sind gewaltig
Mirja VollbrechtRheinische Braunkohle-Tagebaue werden zu Seen – doch die Risiken sind gewaltig
Drei gigantische Braunkohletagebaue im rheinischen Revier sollen bald in künstliche Seen verwandelt werden. Ab 2030 werden die Gruben Hambach und Inden mit Rheinwasser geflutet, 2036 folgt Garzweiler. Das ehrgeizige Projekt soll die Landschaft neu gestalten, doch es gibt Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität und der langfristigen ökologischen Folgen.
Um dies zu ermöglichen, wird eine 45 Kilometer lange Pipeline – bestehend aus 10.000 Rohren, von denen einige über zwei Meter breit sind – Rheinwasser in die Tagebaue leiten. Doch nicht alle unterstützen den Plan: Kritiker warnen vor Risiken für lokale Ökosysteme und Anwohner.
Die Flutung wird Jahrzehnte dauern. Behörden gehen von einem Zeitraum von 40 Jahren aus, bis die Seen vollständig gefüllt sind – dabei muss kontinuierlich Rheinwasser zugeführt werden. Zuvor muss die Bezirksregierung Arnsberg ab Herbst 2026 die endgültigen Genehmigungen für die Wassereinleitung erteilen. Der Bau der Pipeline wurde im Januar 2026 freigegeben; das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt überwacht die Entnahme des Rheinwassers.
Der Energiekonzern RWE, der die Tagebaue betreibt, präsentiert das Vorhaben als Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Die neuen Seen sollen dem Unternehmen zufolge den Wasserkreislauf ausgleichen und Feuchtgebiete schützen. Umweltverbände wie der BUND und Alle Dörfer bleiben bleiben jedoch skeptisch. Sie fragen sich, ob das Rheinwasser – das bis zu 30.000 chemische Verbindungen enthalten kann – langfristig Ökosysteme schädigen wird. Einige Studien deuten darauf hin, dass sich der Grundwasserspiegel erst bis zum Jahr 2200 stabilisieren könnte.
Auch der lokale Widerstand wächst. Andreas Büttgen, ein prominenter Kritiker, bezeichnet RWEs Strategie als "erstklassigen" Schachzug, der es dem Konzern ermöglichen könnte, sich bei Problemen aus dem Projekt zurückzuziehen. Seine Gemeinde sorgt sich um die Sicherheit, insbesondere um die Idee, die gefluteten Gruben für die öffentliche Naherholung freizugeben. Zudem schüren Microsofts Pläne für ein neues Hyperscale-Rechenzentrum in der Region Ängste vor einem erhöhten Wasserbedarf, der die lokalen Ressourcen weiter belasten könnte.
Die Flutung der Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden markiert einen tiefgreifenden Wandel für das rheinische Revier. Gelingt das Projekt, entstehen riesige neue Seen – doch die langfristigen Auswirkungen bleiben ungewiss. Genehmigungen, Wasserqualität und ökologische Stabilität werden entscheiden, ob der Plan seine Versprechen hält oder kommenden Generationen dauerhafte Probleme hinterlässt.






