Skandal im Märkischen Kreis: Schweinezuchtbetrieb wegen grausamer Tierschutzverstöße geschlossen
Mirja VollbrechtSkandal im Märkischen Kreis: Schweinezuchtbetrieb wegen grausamer Tierschutzverstöße geschlossen
Schweinemastbetrieb im Märkischen Kreis wegen schwerer Verstöße gegen den Tierschutz entlarvt
Ein Schweinezuchtbetrieb im Märkischen Kreis (Nordrhein-Westfalen) ist wegen gravierender Verstöße gegen den Tierschutz aufgedeckt worden. Verdeckt gedrehte Videoaufnahmen zeigten verletzte Schweine, tote Ferkel und stark verschmutzte Ställe – was umgehend das Eingreifen der Behörden auslöste. Der Betrieb wurde nach einer vernichtenden Prüfung am 14. Oktober aus dem QS-Qualitätssicherungssystem ausgeschlossen.
Die Tierrechtsorganisation Aninova hatte die Beweisfotos und -videos zunächst auf Instagram veröffentlicht, wo sie mittlerweile über eine halbe Million Mal aufgerufen wurden. Die Aufnahmen dokumentierten tote Tiere, verwahrloste Schweine und katastrophale hygienische Zustände. Nach der Veröffentlichung führte das QS-System eine Notfallinspektion durch und stellte inakzeptable Verstöße fest, die schließlich zum Ausschluss des Betriebs führten.
Der Betrieb stand bereits zuvor in der Kritik. Wie die Behörden bestätigten, war er bei früheren Kontrollen durchgefallen. Noch am selben Tag führte das örtliche Veterinäramt eine eigene Überprüfung durch und entdeckte weitere Verstöße gegen Tierschutz- und Hygienevorschriften.
Der Landwirt, der im Zentrum des Skandals steht, bekleidet zugleich eine Führungsposition als Geschäftsführer des Rheinland-Nassauischen Land- und Winzerverbandes. Aninova kritisierte diesen Interessenkonflikt scharf: Wer sich für landwirtschaftliche Standards einsetze, dürfe nicht selbst für derartige Missstände verantwortlich sein. Der Verband gab jedoch an, von den Zuständen auf dem betreffenden Betrieb nichts gewusst zu haben, und lehnte eine Stellungnahme ab.
Auch gegen den Prüfer, der den Betrieb ursprünglich ohne Beanstandungen zertifiziert hatte, ergiff das QS-System Maßnahmen: Die Person wurde vorläufig suspendiert. Der Landwirt selbst wurde meanwhile den Behörden gemeldet und muss mit möglichen strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.
Der Ausschluss aus dem QS-Qualitätssicherungssystem folgt klaren Belegen für Vernachlässigung und Versagen der Aufsicht. Da nun strafrechtliche Ermittlungen laufen, wirft der Fall grundsätzliche Fragen zu Lücken in der Kontrolle und Durchsetzung von Standards auf. Sowohl der suspendierte Prüfer als auch die Doppelfunktion des Landwirts könnten in den kommenden Wochen weiter unter die Lupe genommen werden.






